Der Weg zum Feminismus

Wieso werden manche Menschen zu Feminist*innen und andere nicht? Eine Frage, die zu stellen, sich immer mal wieder lohnt. Schon allein deshalb, weil so viele Menschen um Feminismus immer noch einen mehr oder weniger weiten Bogen machen. Das äußert sich dann zum Beispiel in Aussagen wie dieser: „Ich bin ja nicht gegen Feminismus, aber …“. Ein Satz, der fast lustig sein könnte, wäre es nicht so traurig. Und am Ende des Gesprächs konnte die Person, die diesen Satz sagte, immer noch behaupten, dass unsere Positionen doch im Prinzip gleich seien und war sehr verärgert als ich klar sagte, dass dem definitiv nicht so sei. Denn ich sehe mich, neben vielen anderen Dingen, als Feministin. Und diese Person ist ebenso vielschichtig, nur feministisch eben nicht.

Simone de Beauvoir schreibt in ihrem berühmten Werk „Das andere Geschlecht“ (auf Französisch übrigens „Le deuxième sexe“, also „Das zweite Geschlecht“), dass man nicht als Frau geboren, sondern zu einer gemacht wird. Das wir bei unserer Geburt also alle erstmal gleich sind (ja, liebe Biologist*innen, trotz unterschiedlicher Geschlechtsteile, danke). Und dann macht die Gesellschaft aus uns Frauen (und Männer), indem uns soziale Regeln vorgegeben, vorgelebt und anerzogen werden. Welche Gefühle sind weiblich, welche sind männlich? Welcher Sport ist weiblich, welcher ist männlich? Welche Berufsfelder sind weiblich, welche sind männlich? Und so weiter. Und mit der Zeit erkennen wir Rollen und Muster an, leben uns in Strukturen ein. Insbesondere in der Pubertät findet da eine Menge statt, da physisch eine Menge los ist und wir nach Erklärungen und Halt suchen. Und dann? Stellt die eine oder andere irgendwann fest, dass er oder sie nicht in diese binäre Einteilung passt. Der Rahmen ist zu eng gesteckt. Er fühlt sich ungerecht an.

Im Teenageralter wurde ich von meinem Umfeld als „Emanze“ bezeichnet, weil ich meine Missbilligung über frauenfeindliche Witze zum Ausdruck brachte. Vieles, was mir blöd vorkam, konnte ich allerdings nicht mal klar benennen. So richtig meine diffusen Gefühle der Ungerechtigkeit sortieren und verstehen, das passierte erst an der Uni. Ich belegte ein großartiges Seminar: „Geschlechtersoziologie“. In einem Semester sind wir durch die Geschichte und Forschungsfelder der Gender Studies galoppiert. Ich war begeistert. Mit Begriffen und Instrumenten habe ich gelernt, meine Position zu stärken und mich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen. Es war berauschend und zugleich beunruhigend.

Bis heute erkenne ich immer noch neue Sachverhalte und Situationen der Ungleichheit. Das Patriarchat legt viele Schichten des Schweigens, der gesellschaftlichen Normierung über die Ungerechtigkeit des binären Geschlechterverhältnisses und der darin liegenden Hierarchie. Wie kann das für alle sichtbar werden, auch ohne sich erstmal akademisch damit auseinanderzusetzen? Für mich ist die Aufgabe klar: Schicht für Schicht und Lage für Lage den Schleier lüften und das Patriarchat als das entlarven, was es ist: eine Schweinesystem. Wir können alle nur gewinnen, wenn wir uns davon verabschieden.

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